Veröffentlicht: 11.10.2026 · Fachlich geprüft: 11.10.2026 · Autor: Ben Kübrich
Grundlage dieser Antwort: Belegte Primärquellen zu den genannten Kursen (Seiten der Anbieter KI-Campus, appliedAI Institute for Europe, Bundeswirtschaftsministerium/Mittelstand-Digital) und zur KI-Kompetenzpflicht (Europäische Kommission, KI-Campus zum KI-Omnibus), alle am 11.10.2026 abgerufen. Das „LIBUCO®-Kursraster“ ist eine eigene LIBUCO®-Methode aus der Beratung inhabergeführter Betriebe, keine erhobene Statistik. Ein dokumentierter Einzelfall liegt nicht vor; das Beispiel im Text ist konstruiert und als solches gekennzeichnet. Der Hinweis auf den eigenen Kurs KI-Basic ist eine Angabe in eigener Sache und kein neutraler Marktvergleich.
Direkte Antwort
Für einen kleinen Betrieb lohnt sich ein KI-Kurs, wenn er an einer echten Aufgabe aus dem Arbeitsalltag übt, das Werkzeug nutzt, das im Betrieb tatsächlich eingesetzt wird, und mehr Zeit mit eigenem Tun als mit Zuhören verbringt. Für die Pflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 der EU-KI-Verordnung ist kein Zertifikat nötig: Nach Auffassung der Europäischen Kommission genügen interne Aufzeichnungen über Schulungen. Beginnen Sie mit einem kostenlosen Grundlagenangebot und zahlen Sie erst für einen Kurs, der Ihre Werkzeuge und Aufgaben trifft. Die wichtigste Einschränkung: Kein Kurs ersetzt die Übung im eigenen Betrieb in den Wochen danach.
Belege für diese Antwort
- Für die KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung müssen Betriebe kein Zertifikat ausstellen; interne Aufzeichnungen über Schulungen und andere Maßnahmen reichen aus. Sich allein auf die Gebrauchsanweisungen zu verlassen oder sie nur lesen zu lassen, kann dagegen wirkungslos sein. → Europäische Kommission, „AI Literacy – Questions & Answers“ (Stand 27.07.2026) → geprüft am 11.10.2026
- Der KI-Omnibus hat Artikel 4 nicht gestrichen, sondern neu gefasst: Betriebe müssen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu unterstützen, aber nicht sicherstellen, dass jede einzelne Person ein bestimmtes Niveau erreicht. → KI-Campus, „EU AI Act: KI-Omnibus justiert Artikel 4 neu“, 28.07.2026; die Europäische Kommission bestätigt, dass nach der Änderung kein bestimmtes Niveau vorgeschrieben ist (AI Literacy Q&A) → geprüft am 11.10.2026
- „Elements of AI“ ist ein kostenloser Grundlagenkurs ohne Voraussetzungen mit einem Umfang von rund 50 Stunden und einer Teilnahmebestätigung. → KI-Campus, Kursseite „Elements of AI“ → geprüft am 11.10.2026
- Die KI-Trainerinnen und KI-Trainer der Mittelstand-Digital Zentren bieten Workshops, Unternehmensbesuche und Vorträge an – kostenfrei und anbieterneutral für kleine und mittlere Unternehmen. → Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, „KI-Trainerinnen und -Trainer“ → geprüft am 11.10.2026
- Werkzeugnamen ändern sich während der Lebensdauer eines Kurses: Google hat NotebookLM am 16.07.2026 in Gemini Notebook umbenannt. → Google Blog Deutschland, „NotebookLM heißt jetzt Gemini Notebook“ → geprüft am 11.10.2026
Für wen gilt das? Und für wen nicht?
Diese Antwort richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe mit etwa drei bis zwanzig Beschäftigten ohne eigene IT-Abteilung – Werkstatt, Praxis, Laden, Büro –, die sich selbst oder ihr Team in gängige Chat-KI wie Gemini, ChatGPT oder Microsoft Copilot einarbeiten wollen.
Sie gilt nicht für die Ausbildung von Fachleuten für Programmierung oder Datenanalyse, nicht für Betriebe, die KI-Systeme selbst entwickeln oder Hochrisiko-Anwendungen im Sinne der KI-Verordnung betreiben, und nicht als Rechtsauskunft. Welche Pflichten die KI-Verordnung für Ihren Betrieb konkret auslöst, ordnet der Beitrag Was bedeutet der EU AI Act für mein kleines Unternehmen? allgemein ein; für den Einzelfall ist juristische Beratung zuständig. Ob Kurs, Buch oder freies Ausprobieren überhaupt der richtige Weg ist, klärt der Beitrag KI lernen als Unternehmer: Kurs, Buch oder einfach ausprobieren? – hier geht es um die nächste Frage: Welcher Kurs?
Welche Sorte Kurs brauchen Sie?
Klären Sie zuerst, welches Problem der Kurs lösen soll. Unter „KI-Kurs“ werden drei sehr verschiedene Dinge verkauft oder verschenkt. Die Einordnung beruht auf Praxisbeobachtungen aus der LIBUCO®-Beratung:
- Verständniskurse erklären, was KI ist, wie Sprachmodelle arbeiten und warum sie überzeugend falsch liegen können. Sie altern langsam, zeigen aber selten, wie Sie morgen ein Angebot schneller schreiben.
- Werkzeugkurse zeigen ein bestimmtes Programm Schritt für Schritt. Sie sind sofort nützlich, veralten aber mit jedem größeren Update. Die Umbenennung von NotebookLM in Gemini Notebook im Juli 2026 zeigt, wie schnell selbst Produktnamen wechseln.
- Begleitete Formate – Workshops, Sprechstunden, Betriebsbesuche – arbeiten an Ihren eigenen Fällen. Sie sind am wenigsten übertragbar und am meisten auf Ihren Betrieb zugeschnitten.
Welche dieser Sorten zu Ihrer Ausgangslage passt, ordnet der oben verlinkte Beitrag zu Kurs, Buch oder Ausprobieren ein. Für die Auswahl eines bestimmten Kurses hilft das folgende Raster.
Das LIBUCO®-Kursraster: vier Fragen vor der Anmeldung
Das folgende Raster ist eine eigene LIBUCO®-Methode aus der Beratung kleiner Betriebe. Es ist eine Prüfhilfe, keine gemessene Größe. Beantworten Sie jede Frage anhand der Kursbeschreibung, der Gliederung und – wenn vorhanden – einer Probelektion mit Ja oder Nein:
- Aufgabe: Nennt der Kurs Aufgaben, die es in Ihrem Betrieb jede Woche gibt – Angebotstexte, Kundenantworten, Protokolle, Arbeitsanweisungen? Oder bleibt es bei „Produktivität steigern“?
- Werkzeugstand: Arbeitet der Kurs mit dem Werkzeug, das Sie tatsächlich nutzen oder nutzen dürfen – und ist erkennbar, wann er zuletzt aktualisiert wurde?
- Übungsanteil: Gibt es in jeder Lektion etwas, das Sie selbst tun, statt nur zuzusehen? Ein Arbeitsblatt, eine Übungsaufgabe, einen Auftrag bis zur nächsten Lektion?
- Grenzen: Zeigt der Kurs irgendwo, wo KI nichts bringt, falsch liegt oder welche Daten nicht hineingehören? Ein Kurs ohne ein einziges Nein ist Werbung.
Faustregel aus der Beratung: Vier Ja – anmelden. Drei Ja – anmelden, wenn die fehlende Antwort der Werkzeugstand ist und Sie das Werkzeug selbst nachschlagen können. Zwei oder weniger – weitersuchen. Ein Zertifikat ist in diesem Raster bewusst keine Frage.
Ein KI-Kurs lohnt sich für einen kleinen Betrieb dann, wenn er an einer wöchentlich wiederkehrenden Aufgabe mit dem tatsächlich genutzten Werkzeug übt und zeigt, wo KI nicht hilft. Ein Zertifikat ist dafür nicht erforderlich.
Welche Kurse gibt es konkret?
Die folgenden Angebote sind über die Seiten der Anbieter geprüft (Stand 11.10.2026). Die Liste ist bewusst kurz und nennt zuerst kostenlose, fremde Angebote.
Elements of AI – für das Grundverständnis
Kostenlos, ohne Voraussetzungen, mit Teilnahmebestätigung, gelistet auf dem KI-Campus. Mit rund 50 Stunden ist der Kurs gründlich, aber für eine Inhaberin im laufenden Betrieb ein großer Brocken. Er erklärt Konzepte wie maschinelles Lernen und neuronale Netze, zeigt aber keine Bürowerkzeuge. Im Kursraster ist er ein Verständniskurs: Die Fragen 1 und 2 zu Ihrer Aufgabe und Ihrem Werkzeug beantwortet er nicht.
„KI-Kompetenz für KMU“ – für den ersten Anwendungsfall
Ein Onlinekurs des appliedAI Institute for Europe, den der Anbieter unter seinen kostenlosen Onlinekursen führt und der im eigenen Tempo bearbeitet wird. Laut Anbieter gibt er kleinen und mittleren Unternehmen einen Einblick in die Schritte, die für den Einstieg in KI nötig sind, mit praktischen Beispielen (appliedAI Institute). Ob er zu Frage 1 des Rasters passt, prüfen Sie anhand der Gliederung.
KI-Trainer der Mittelstand-Digital Zentren – für begleitete Formate
Kostenfrei und anbieterneutral: Workshops, Vorträge und Unternehmensbesuche (BMWE). Welche Termine in Ihrer Nähe stattfinden, hängt vom jeweiligen Zentrum ab; es lohnt sich, die Veranstaltungskalender direkt zu prüfen. Ein fester Kurs mit Lektionen ist das nicht, eher ein Einstieg mit Ansprechpartnern.
In eigener Sache: KI-Basic
Aus eigener Feder, deshalb kein neutrales Urteil: Der LIBUCO®-Onlinekurs KI-Basic – „Vom ersten Prompt zur echten Souveränität“ umfasst 11 Lektionen in 4 Kapiteln, rund 70 Minuten, und kostet 147 € einmalig. Er arbeitet mit Gemini und Gemini Notebook (ehemals NotebookLM) in kurzen Lektionen zum Mitmachen. Er passt, wenn Ihr Betrieb mit Google-Werkzeugen arbeitet; wer Microsoft Copilot oder ChatGPT nutzt, prüft Frage 2 des Rasters besser anderswo. Wer vorher kostenlos testen möchte, ob die Art der Erklärung passt: Das Webinar „Was ist KI? Einstieg für Unternehmer“ dauert rund 21 Minuten und kostet nichts.
Braucht es ein Zertifikat für die KI-Kompetenz?
Nein. Laut Europäischer Kommission genügen interne Aufzeichnungen über Schulungen (siehe Belege oben). Für die Kurswahl heißt das: Ein Kurs, der mit einem „Pflichtzertifikat“ wirbt, verkauft Ihnen etwas, das die Kommission nicht verlangt. Halten Sie stattdessen in einer einfachen Liste fest, wer wann welchen Kurs gemacht hat und wofür die Person KI im Betrieb nutzt. Die Rechtslage und wie Sie das Gelernte ins ganze Team tragen, beschreibt der Beitrag Wie bringe ich meinem Team KI bei?
Wie sieht das in einem Betrieb aus?
Das folgende Beispiel ist konstruiert, um das Raster zu veranschaulichen. Es ist kein realer Kundenfall. Eine Schreinerei mit sieben Beschäftigten arbeitet mit Microsoft 365 und will Angebotstexte schneller formulieren. Zur Auswahl stehen ein langer Grundlagenkurs, ein Werkzeugkurs zu einem anderen Programm als dem im Betrieb genutzten und ein Workshop zu Copilot im Büroalltag.
Im konstruierten Beispiel besteht der Grundlagenkurs Frage 4, fällt aber bei Aufgabe und Werkzeug durch. Der Werkzeugkurs hat viel Übung, trifft aber nicht das Werkzeug des Betriebs. Der Workshop nennt Angebote und E-Mails ausdrücklich, nutzt Copilot und endet mit einer Übung – drei Ja, offen bleibt, ob Grenzen besprochen werden. Die Inhaberin meldet sich dort an und notiert Datum und Inhalt in ihrer Schulungsliste.
Grenzen und typische Fehler
Die folgenden Punkte sind Praxisbeobachtungen aus der LIBUCO®-Beratung, keine gemessenen Werte.
- Zu viel auf einmal buchen. Drei begonnene Kurse bringen weniger als ein abgeschlossener, an dem eine echte Aufgabe hängt.
- Das Werkzeug im Kurs weicht vom Werkzeug im Betrieb ab. Wer in einem Programm übt, das im Betrieb nicht genutzt werden darf, fängt danach von vorn an.
- Auf ein Zertifikat achten statt auf Inhalt. Die Kommission verlangt keines; entscheidend ist, dass Ihr Team sicher und sinnvoll arbeitet.
- Nur zuschauen. Ein Kurs ohne eigene Übung fühlt sich produktiv an und hinterlässt wenig.
- Keine Zeit für die Wochen danach einplanen. Das Gelernte sitzt erst, wenn es im Arbeitsalltag angewendet wird.
- Datenschutz ausklammern. Ein Kurs, der Kundendaten in Beispiel-Prompts verwendet, ohne das zu problematisieren, lehrt eine schlechte Gewohnheit. Achten Sie auf einen DSGVO-bewussten Umgang.
- Das Veröffentlichungsdatum übersehen. Werkzeugkurse ohne erkennbaren Aktualisierungsstand zeigen womöglich Menüs, die es so nicht mehr gibt.
Wann diese Empfehlung nicht passt
- Wenn Sie KI im Betrieb bisher gar nicht einsetzen und das auch nicht vorhaben, dann ist ein Kurs verfrüht; klären Sie zuerst, ob und wo KI Ihnen überhaupt etwas bringt.
- Wenn ein Mitarbeiter KI-Anwendungen selbst programmieren oder Daten auswerten soll, dann brauchen Sie Fachkurse mit technischer Tiefe statt eines Anwenderkurses.
- Wenn Ihr Betrieb besonders geschützte Daten verarbeitet, etwa Gesundheitsdaten in einer Praxis, dann steht die Frage, welche Werkzeuge überhaupt zulässig sind, vor der Kurswahl – und diese Frage beantwortet kein Kurs, sondern eine datenschutzrechtliche Prüfung.
Checkliste
- ☐ Ich habe eine Aufgabe benannt, die es im Betrieb jede Woche gibt und an der ich üben will.
- ☐ Ich weiß, welches KI-Werkzeug im Betrieb genutzt wird oder genutzt werden darf.
- ☐ Der Kurs arbeitet mit genau diesem Werkzeug.
- ☐ Der Kurs zeigt einen erkennbaren Aktualisierungsstand.
- ☐ Jede Lektion enthält eine eigene Übung.
- ☐ Der Kurs zeigt mindestens eine Grenze: wo KI falsch liegt oder welche Daten nicht hineingehören.
- ☐ Ich habe zuerst ein kostenloses Angebot oder eine Probelektion genutzt.
- ☐ In meinem Kalender stehen feste Übungszeiten für die vier Wochen nach dem Kurs.
- ☐ Ich führe eine einfache Liste: wer, wann, welcher Kurs, wofür im Betrieb.
Quellen
- Europäische Kommission: „AI Literacy – Questions & Answers“, Stand 27.07.2026 – abgerufen am 11.10.2026
- KI-Campus: „EU AI Act: KI-Omnibus justiert Artikel 4 neu – KI-Kompetenz bleibt Pflicht“, 28.07.2026 – abgerufen am 11.10.2026
- Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI), EUR-Lex – abgerufen am 11.10.2026
- KI-Campus: Kursseite „Elements of AI“ – abgerufen am 11.10.2026
- appliedAI Institute for Europe: „KI-Kompetenz für KMU“ – abgerufen am 11.10.2026
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / Mittelstand-Digital: „KI-Trainer“ – abgerufen am 11.10.2026
- Google Blog Deutschland: „NotebookLM heißt jetzt Gemini Notebook“, 16.07.2026 – abgerufen am 11.10.2026
Über den Autor
Ben Kübrich berät mit LIBUCO® in Gilching inhabergeführte kleine und mittlere Betriebe im Landkreis Starnberg, in Fürstenfeldbruck und im Münchner Umland beim Einstieg in KI. Sein Schwerpunkt liegt darauf, KI an konkreten Abläufen des Betriebs zu erproben und dabei die Grenzen mitzudenken. Er ist Autor des Sachbuchs „Skepsis ist ein guter Anfang. KI für Werkstatt, Praxis und Laden“ und des Onlinekurses KI-Basic.
Nächster Schritt
Sie haben zwei oder drei Kurse im Blick und sind unsicher, welcher zu Ihrem Betrieb passt? Bringen Sie die Kursbeschreibungen und die eine Aufgabe mit, an der Sie üben wollen, in ein kostenloses Kennenlerngespräch – 30 Minuten, per Video oder Telefon, unverbindlich. Wir gehen das Kursraster gemeinsam durch, und Sie entscheiden danach selbst.