Veröffentlicht: 29.08.2026 · Fachlich geprüft: 29.08.2026 · Autor: Ben Kübrich
Grundlage dieser Antwort: belegte Primärquellen zur KI-Kompetenz (Verordnungstexte der EU, Q&A der Europäischen Kommission) und öffentlich einsehbare, kostenlose Lernangebote – ergänzt um eine eigene LIBUCO®-Methode (das Lernraster „Anker, Takt, Beleg“) und um Praxisbeobachtungen aus der Beratung inhabergeführter Betriebe. Wo dieser Beitrag auf eigene LIBUCO®-Angebote verweist, sind das Angaben in eigener Sache und kein neutraler Marktvergleich.
Direkte Antwort
Am zuverlässigsten funktioniert die Kombination aus allen drei Wegen, aber in einer festen Reihenfolge: zuerst eine echte, wiederkehrende Aufgabe aus dem eigenen Betrieb auswählen, dann in kurzen Einheiten genau an dieser Aufgabe ausprobieren, und begleitend einen strukturierten Grundlagenkurs für das Verständnis dazunehmen. Ein Buch lohnt sich, sobald Sie Entscheidungen für andere treffen – über Regeln, Werkzeuge oder Zugänge. Entscheidend ist nicht das Medium, sondern der Anker: Lernzeit ohne konkrete Aufgabe verpufft. Planen Sie mehrere Wochen im Wochentakt ein, kein einzelnes Wochenende.
Belege für diese Antwort
- KI-Kompetenz im Betrieb ist nicht nur eine gute Idee, sondern rechtlich adressiert: Artikel 4 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen zu Maßnahmen rund um die KI-Kompetenz der Mitarbeitenden. → Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 4, EUR-Lex → geprüft am 29.08.2026
- Mit dem „Digital Omnibus on AI“ wurde Artikel 4 nicht gestrichen, sondern neu justiert: Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, ein bestimmtes Kompetenzniveau je einzelner Person muss aber nicht garantiert werden. → Verordnung (EU) 2026/1744, Einordnung des KI-Campus (Stifterverband) vom 28.07.2026 → geprüft am 29.08.2026
- Zur Auslegung der KI-Kompetenz gibt es ein eigenes Frage-und-Antwort-Dokument der Europäischen Kommission. → Europäische Kommission, „AI literacy – questions and answers“ → geprüft am 29.08.2026
- Strukturierte Grundlagenkurse zu KI gibt es kostenlos und auf Deutsch, unter anderem „Elements of AI“ (MinnaLearn und Universität Helsinki) sowie die Kurse des KI-Campus. → course.elementsofai.com/de, ki-campus.org → geprüft am 29.08.2026
- Für kleine und mittlere Unternehmen bestehen öffentliche, kostenfreie Anlaufstellen mit KI-Trainerinnen und KI-Trainern in den Mittelstand-Digital Zentren. → mittelstand-digital.de → geprüft am 29.08.2026
Für wen gilt das? Und für wen nicht?
Dieser Beitrag richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe mit etwa drei bis fünfzig Beschäftigten ohne eigene IT-Abteilung – Werkstatt, Praxis, Kanzlei, Laden, Handwerk, Dienstleistung. Gemeint ist der Einstieg in gängige Chat-KI wie ChatGPT, Google Gemini oder Microsoft Copilot im normalen Arbeitsalltag.
Nicht gemeint sind: die Ausbildung von Fachpersonal für Datenanalyse oder Programmierung, die Entwicklung eigener KI-Modelle, der Betrieb von Hochrisiko-Anwendungen im Sinne der KI-Verordnung und Unternehmen mit eigener Digitalabteilung. Dieser Beitrag ist außerdem keine Rechtsberatung; für Ihre konkreten Pflichten aus der KI-Verordnung ist juristische Beratung zuständig. Eine allgemeinverständliche Einordnung finden Sie in unserem Beitrag Was bedeutet der EU AI Act für mein kleines Unternehmen?
Das LIBUCO®-Lernraster: Anker, Takt, Beleg
In der Beratung sehen wir dasselbe Muster: Über den Lernerfolg entscheidet nicht die Wahl zwischen Kurs, Buch und Ausprobieren, sondern drei Bedingungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen. Fehlt eine davon, versickert die Lernzeit – unabhängig davon, wie gut das Material ist.
- Anker. Es gibt genau eine echte, wiederkehrende Aufgabe aus Ihrem Betrieb, an der Sie das Gelernte sofort anwenden. Wiederkehrend heißt: mindestens wöchentlich. Beispiele: Angebotstexte, Terminbestätigungen, Übergabeprotokolle, Materiallisten, Antworten auf Standardanfragen. Kein Anker, kein Lernen.
- Takt. Zwei bis drei feste Einheiten pro Woche zu je 15 bis 20 Minuten, im Kalender eingetragen wie ein Kundentermin. Ein einzelner Ganztags-Block bringt weniger, weil zwischen den Einheiten die Praxis fehlt, an der sich das Gelernte reibt.
- Beleg. Nach jeder Einheit schreiben Sie drei Zeilen auf: Was habe ich probiert? Was kam heraus? Was mache ich beim nächsten Mal anders? Diese Notizen sind später auch die Grundlage für die Dokumentation, die Artikel 4 der KI-Verordnung nahelegt.
Nicht das Medium entscheidet über den Lernerfolg, sondern ob eine echte, wiederkehrende Aufgabe aus dem Betrieb daran hängt. Ohne diesen Anker bleibt auch der beste Kurs Unterhaltung.
Kurs, Buch oder ausprobieren: Was passt zu welcher Ausgangslage?
Alle drei haben eine Aufgabe, nur zu verschiedenen Zeitpunkten. Prüfen Sie, welche Beschreibung auf Sie zutrifft.
Sie wissen nicht, was KI eigentlich ist
Dann beginnen Sie mit einem strukturierten Grundlagenkurs, damit Sie später einordnen können, warum ein Ergebnis falsch ist. Kostenlos und auf Deutsch verfügbar sind „Elements of AI“ von MinnaLearn und der Universität Helsinki sowie die Kurse des KI-Campus, etwa „Einführung in die KI“. Beide sind unabhängig von LIBUCO® und kosten nichts.
Sie nutzen den Chat schon, kommen aber über Spielerei nicht hinaus
Dann hilft kein weiterer Kurs, sondern gezieltes Ausprobieren am Anker – ergänzt um Handwerkszeug für gute Eingaben. Wie Sie eine Anfrage so formulieren, dass ein brauchbares Ergebnis herauskommt, haben wir in Wie schreibe ich einen guten Prompt für ChatGPT? beschrieben.
Sie entscheiden für andere – über Regeln, Werkzeuge, Zugänge
Dann brauchen Sie Tiefe, und dafür ist ein Buch das ruhigere Medium als ein Video. Es geht dabei weniger um Bedienung als um Grenzen: Wo darf welche Information hinein, wo ist eine Maschine strukturell unzuverlässig, wo bleibt ein Mensch verantwortlich. Aus eigener Feder und deshalb kein neutrales Urteil: Für genau diese Leserinnen und Leser haben wir das Sachbuch „Skepsis ist ein guter Anfang. KI für Werkstatt, Praxis und Laden“ geschrieben – neun Kapitel für neun Abende, jeweils rund eine Viertelstunde, mit einem Prüfverfahren statt eines Zeitersparnis-Versprechens. Sie finden es zusammen mit dem kostenlosen Leserbonus auf der Buchseite.
Sie sollen Ihr Team befähigen
Dann brauchen Sie ein Format mit festem Umfang, das sich dokumentieren lässt – ein Kurs also, kein Selbststudium. Kostenlose Optionen sind wieder KI-Campus und „Elements of AI“. Ebenfalls in eigener Sache: Der LIBUCO®-Onlinekurs KI-Basic deckt in elf kurzen Lektionen, insgesamt rund 70 Minuten, den Einstieg mit Gemini und Gemini Notebook ab und kostet einmalig 147 €.
Womit können Sie heute kostenlos anfangen?
Wenn Sie ohne Budget starten wollen, ist die Reihenfolge bewusst so gewählt, dass Sie nach jedem Schritt aufhören könnten:
- Eine Woche lang notieren, welche Aufgabe Sie mindestens dreimal erledigt haben. Das ist Ihr Anker-Kandidat.
- Einen kostenlosen Grundlagenkurs beginnen – „Elements of AI“ auf Deutsch oder „Einführung in die KI“ beim KI-Campus. Nicht in einem Rutsch durcharbeiten, sondern im Takt.
- Prüfen, welches Mittelstand-Digital Zentrum für Ihre Region zuständig ist und welche Angebote dort gerade laufen.
- Ins Volkshochschul- oder IHK-Programm Ihrer Region sehen. In Gilching, Starnberg, Fürstenfeldbruck und im Münchner Umland gibt es regelmäßig Einsteigerkurse in Präsenz – vielen fällt das leichter als ein Online-Video.
- Aus eigenem Haus und kostenlos: das rund 21-minütige Webinar „Was ist KI? Einstieg für Unternehmer“, der Podcast „Leben einfach machen – KI im echten Leben“ sowie die Grenzen-Checkliste als PDF ohne Anmeldung und ohne E-Mail-Adresse auf der Buchseite.
Wie lange dauert das realistisch?
Eine belastbare Zahl für „beherrschen“ gibt es nicht, und wer eine nennt, verkauft etwas. Benennen lässt sich nur der Umfang der Angebote selbst: „Elements of AI“ ist auf sechs Kapitel angelegt, empfohlen wird ein Tempo von etwa sechs Wochen. Der Punkt, an dem KI in Ihrem Betrieb tatsächlich Arbeit abnimmt, hängt danach an der Zahl der Durchgänge an Ihrem Anker, nicht an der Kursdauer. Als Praxisbeobachtung aus unserer Beratung, ausdrücklich ohne Studienbeleg: Betriebe, die eine einzige Aufgabe vier bis sechs Wochen im Wochentakt bearbeiten, kommen weiter als solche, die in derselben Zeit fünf Werkzeuge testen.
Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung
Das folgende Beispiel ist konstruiert, nicht der Fall eines realen Kunden – es soll nur den Takt zeigen. Ein Elektrobetrieb mit acht Beschäftigten wählt als Anker die Terminbestätigung an Kunden. Woche eins: Der Inhaber lässt sich drei Varianten schreiben und merkt, dass die Maschine Zeitangaben erfindet, wenn er sie nicht mitliefert. Woche zwei: Er hinterlegt eine Vorlage mit Platzhaltern, die erfundenen Angaben verschwinden. Woche drei: Eine Mitarbeiterin übernimmt und stolpert über den zu förmlichen Ton. Woche vier: Die Vorlage bekommt zwei Beispielsätze aus alten E-Mails als Vorbild. Offen bleibt, ob sich der Aufwand über das Jahr rechnet – das ließe sich erst nach Monaten sagen. Genau dieses Offenlassen gehört zum ehrlichen Bild.
Und wenn das Team nicht mitzieht?
Lernen im Alleingang ist die häufigste Sackgasse. Erfahrungsgemäß scheitert die Übertragung auf das Team seltener am Werkzeug als an fehlender Erlaubnis und fehlender Zeit im Dienstplan; ausführlicher steht das in Warum nutzt mein Team die KI nicht? Hilfreich ist zudem der Austausch mit anderen Betrieben, weil dort Fehler bereits gemacht wurden. Regional gibt es dafür ab Donnerstag, 1. Oktober 2026, von 18:00 bis 19:30 Uhr den monatlichen KIT – KI-Treff für Unternehmer an der vhs Gilching; Anmeldung und Teilnahmebedingungen laufen über das Programm der vhs Gilching.
Grenzen und typische Fehler
- Lernen ohne Anker. Ein Kurs ohne Aufgabe aus dem eigenen Betrieb fühlt sich produktiv an und verändert nichts.
- Werkzeug-Hopping. Wer in vier Wochen fünf Anwendungen testet, lernt fünf Oberflächen und keine Methode.
- Der Ganztags-Block. Ein voller Schulungstag ohne Anwendung dazwischen ist nach zwei Wochen weitgehend verblasst.
- Vertrauen statt Prüfen. Wer plausible Antworten ungeprüft übernimmt, verlagert das Risiko nur. Eine Prüfroutine gehört von Anfang an dazu.
- Zu früh automatisieren. Erst verstehen, was Sie tun, dann wiederholen, dann dauerhaft einrichten – nicht umgekehrt.
- Sensible Daten im falschen Werkzeug. Beim Ausprobieren rutschen schnell Kundendaten in ein Konto, das dafür nicht vorgesehen ist – ein DSGVO-bewusster Grundsatz, kein Detail.
- Alles allein machen. Ohne eine zweite Person, die es ebenfalls kann, ist jedes Ergebnis an eine Person gebunden.
- Nichts aufschreiben. Ohne Notizen fehlt später sowohl die Lernkurve als auch jeder Nachweis über die getroffenen Maßnahmen.
Wann diese Empfehlung nicht passt
- Wenn ein Termin drückt – etwa eine Ausschreibung in vierzehn Tagen –, dann gilt statt eines Lernplans: eine Person beauftragen, die die konkrete Aufgabe löst, und das Lernen danach nachholen.
- Wenn Sie KI-Systeme nicht nur nutzen, sondern in eigene Produkte einbauen, dann reicht ein Einsteigerkurs nicht. Dann gelten weitergehende Pflichten aus der KI-Verordnung, und Sie brauchen fachliche und juristische Begleitung.
- Wenn Ihr Betrieb überwiegend mit besonders schützenswerten Daten arbeitet – Gesundheitsdaten etwa –, dann klären Sie zuerst die Zulässigkeit und die Auftragsverarbeitung, bevor Sie mit dem Ausprobieren beginnen. Sonst lernen Sie an Beispielen, die Sie später nicht verwenden dürfen.
- Wenn Sie die Aufgabe selbst noch nicht sauber beschreiben können, dann ist der erste Schritt kein KI-Thema, sondern die Klärung des Ablaufs: Wer macht was, in welcher Reihenfolge, mit welchem Ergebnis. Eine unklare Aufgabe wird durch KI nicht klarer, sondern nur schneller unklar.
Checkliste: Ist Ihr Lernvorhaben tragfähig?
- Ich kann meinen Anker in einem Satz benennen: die eine Aufgabe, an der ich übe.
- Diese Aufgabe fällt mindestens einmal pro Woche tatsächlich an.
- Meine Lerneinheiten stehen als feste Termine im Kalender, nicht auf einer Wunschliste.
- Eine Einheit dauert höchstens 20 Minuten.
- Nach jeder Einheit halte ich drei Zeilen fest: probiert, herausgekommen, nächstes Mal anders.
- Ich habe entschieden, welche Daten in das Werkzeug dürfen und welche nicht.
- Ich habe eine Prüfroutine für jedes Ergebnis, das nach außen geht.
- Eine zweite Person im Betrieb kennt den Ablauf und kann ihn übernehmen.
- Ich habe einen Zeitpunkt festgelegt, an dem ich ehrlich bewerte, ob es sich lohnt.
- Ich weiß, wo ich die getroffenen Maßnahmen dokumentiere.
Quellen
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 4 „KI-Kompetenz“, EUR-Lex – eur-lex.europa.eu (abgerufen am 29.08.2026)
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2026/1744 („Digital Omnibus on AI“), deutschsprachiger Verordnungstext, EUR-Lex – eur-lex.europa.eu (abgerufen am 29.08.2026)
- KI-Campus (Stifterverband): „EU AI Act: KI-Omnibus justiert Artikel 4 neu – KI-Kompetenz bleibt Pflicht“, 28.07.2026 – ki-campus.org (abgerufen am 29.08.2026)
- Europäische Kommission: „AI literacy – questions and answers“ – digital-strategy.ec.europa.eu (abgerufen am 29.08.2026)
- MinnaLearn und Universität Helsinki: „Elements of AI“, kostenloser Onlinekurs, deutschsprachige Fassung – course.elementsofai.com (abgerufen am 29.08.2026)
- KI-Campus: Kurs „Einführung in die KI“ – ki-campus.org (abgerufen am 29.08.2026)
- Mittelstand-Digital: KI-Trainerinnen und KI-Trainer – mittelstand-digital.de (abgerufen am 29.08.2026)
Über den Autor
Ben Kübrich berät mit LIBUCO® in Gilching inhabergeführte kleine und mittlere Unternehmen beim Einstieg in Künstliche Intelligenz – im Landkreis Starnberg, in Fürstenfeldbruck und in München-West. Sein Schwerpunkt liegt auf Betrieben mit drei bis zwanzig Beschäftigten ohne eigene IT-Abteilung, bei denen KI an einer konkreten, wiederkehrenden Aufgabe ansetzt statt an einem Werkzeug. Er ist Autor des Sachbuchs „Skepsis ist ein guter Anfang. KI für Werkstatt, Praxis und Laden“ und Gastgeber des Podcasts „Leben einfach machen – KI im echten Leben“.
Nächster Schritt
Wenn Sie Ihren Anker schon vor Augen haben, aber unsicher sind, ob er sich eignet, lässt sich das in einem kurzen Gespräch klären – oft schneller als durch weiteres Lesen. Bringen Sie dafür einen konkreten Ablauf aus Ihrem Betrieb mit: eine Aufgabe, die mindestens wöchentlich anfällt, und die Angabe, welche Daten dabei im Spiel sind. Das kostenlose Kennenlerngespräch dauert 30 Minuten, findet per Video oder Telefon statt und ist unverbindlich.