Zum Inhalt springen
Seit 2014 IT im Mittelstand|KI-Beratung für KMU|Region Starnberg · Fürstenfeldbruck · München-West
Home › Blog › Darf ich ein Arbeitszeugnis mit KI schreiben – und worauf muss ich achten?

Darf ich ein Arbeitszeugnis mit KI schreiben – und worauf muss ich achten?

· Ben Kübrich · aktualisiert

Veröffentlicht: 24.10.2026 · Fachlich geprüft: 24.10.2026 · Autor: Ben Kübrich

Grundlage dieser Antwort: Die Aussagen zum Zeugnisanspruch, zur Form und zum Verbot von Geheimformulierungen stützen sich auf belegte Primärquellen, nämlich den Wortlaut von § 109 Gewerbeordnung (GewO) sowie §§ 126, 126a und 630 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) auf gesetze-im-internet.de. Die Aussagen zur Wahrheitspflicht und zur Schlussnote stützen sich auf das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 18.11.2014 – 9 AZR 584/13. Die Hinweise zum Umgang einer KI mit fehlenden Angaben folgen allgemeiner Fachmethodik aus der Anleitung des KI-Anbieters Anthropic (alle am 24.10.2026 abgerufen). Der „LIBUCO®-Zeugnis-Steckbrief“ ist eine eigene LIBUCO®-Methode, keine Norm. Das Beispiel ist konstruiert. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Direkte Antwort

Ja, eine KI darf Ihnen helfen, ein Arbeitszeugnis zu formulieren. Das Gesetz regelt nicht, womit der Text entsteht, sondern was er leisten muss: Ein Arbeitszeugnis muss klar, verständlich und wahr sein und darf keine versteckten Geheimformulierungen enthalten. Die Bewertung von Leistung und Verhalten treffen Sie selbst, die KI formuliert nur Ihre Vorgaben. Wichtigste Einschränkung: Eine KI kennt weder die Person noch Ihre Bewertung, deshalb prüfen Sie jeden Satz, bevor Sie unterschreiben.

Belege für diese Antwort

Für wen gilt das? Und für wen nicht?

Die Antwort richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe ohne eigene Personalabteilung, etwa Handwerksbetriebe, Praxen oder Läden in Gilching, im Landkreis Starnberg oder in Fürstenfeldbruck, die nur wenige Zeugnisse im Jahr schreiben. Sie gilt nicht für Streitfälle, in denen eine ehemalige Mitarbeiterin oder ein ehemaliger Mitarbeiter eine bessere Note verlangt oder bereits ein Anwalt eingeschaltet ist; dann gehört das Zeugnis in eine Rechtsberatung. Sie gilt auch nicht für die Frage, was ein Tarifvertrag oder ein Aufhebungsvertrag zum Zeugnis zusätzlich vereinbart.

Was kann eine KI beim Arbeitszeugnis leisten?

Sie kann aus Ihren Stichpunkten einen gegliederten, sauber formulierten Text machen: Einleitung mit Name und Dauer, Aufgabenbeschreibung, Bewertung von Leistung und Verhalten, Schlussformel. Sie kann eine Aufgabenliste aus der Stellenbeschreibung in ganze Sätze bringen und einen vorhandenen Entwurf auf Widersprüche zwischen Aufgaben und Bewertung lesen.

Was sie nicht leisten kann: wissen, wie gut die Person gearbeitet hat, welche Projekte sie verantwortet hat oder ob es Abmahnungen gab. Fehlen ihr Angaben, füllt sie Lücken unter Umständen mit plausibel klingenden Sätzen. Anthropic rät deshalb, der KI ausdrücklich zu erlauben, fehlende Informationen zu benennen, statt sie zu ergänzen (Anthropic, Reduce hallucinations). Wie Sie eine KI-Antwort grundsätzlich gegenprüfen, beschreibt der Beitrag Wie erkenne ich, ob eine KI-Antwort stimmt?

Was verlangt das Gesetz vom Zeugnis?

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses haben Beschäftigte Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Es enthält mindestens Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis); auf Verlangen erstreckt es sich auch auf Leistung und Verhalten (qualifiziertes Zeugnis) (§ 109 Abs. 1 GewO). Für Dienstverhältnisse, die keine Arbeitsverhältnisse sind, enthält § 630 BGB eine ähnliche Regel und verweist für Arbeitnehmer auf § 109 GewO.

Der Text muss klar und verständlich sein. Er darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere Aussage zu treffen, als aus äußerer Form oder Wortlaut ersichtlich ist (§ 109 Abs. 2 GewO). Ein Zeugnis mit versteckten Botschaften ist also unzulässig, egal ob ein Mensch oder eine KI den Satz geschrieben hat.

Inhaltlich gilt: Das Bundesarbeitsgericht nennt die Wahrheitspflicht den bestimmenden Grundsatz des Zeugnisrechts; wohlwollend muss ein Zeugnis nur im Rahmen der Wahrheit sein. Im selben Urteil geht es um die sogenannte Zufriedenheitsskala: Bescheinigt der Arbeitgeber Leistungen „zur vollen Zufriedenheit“ und verlangt die Person eine bessere Schlussbeurteilung, muss sie im Rechtsstreit die Tatsachen dafür vortragen und beweisen (BAG, Urteil vom 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Für Sie heißt das: Jede Bewertungsformel im Text hat eine Bedeutung, die Sie kennen und meinen müssen.

In welcher Form muss das Zeugnis erteilt werden?

Schriftlich heißt nach § 126 Abs. 1 BGB: Sie unterschreiben eigenhändig mit Ihrem Namen. Mit Einwilligung der oder des Beschäftigten darf das Zeugnis auch in elektronischer Form erteilt werden (§ 109 Abs. 3 GewO). Die elektronische Form verlangt nach § 126a Abs. 1 BGB Ihren Namen und eine qualifizierte elektronische Signatur. Daraus folgt: Eine eingescannte Unterschrift oder eine einfache E-Mail erfüllt diese Anforderung nicht. Die Unterschrift ist zugleich der Punkt, an dem Sie die Verantwortung für den gesamten Text übernehmen.

Der LIBUCO®-Zeugnis-Steckbrief

Als eigene LIBUCO®-Methode empfehlen wir: Bevor die KI formuliert, füllen Sie einen kurzen Steckbrief aus. Er enthält Ihre Entscheidungen, die KI formuliert nur daraus. So bleibt die Bewertung bei Ihnen, und Sie können den fertigen Text später gegen den Steckbrief prüfen.

  1. Art des Zeugnisses: einfach oder qualifiziert, Endzeugnis oder Zwischenzeugnis
  2. Dauer und Funktion: Eintritts- und Austrittsdatum, Berufsbezeichnung
  3. Aufgaben: fünf bis acht Stichpunkte, die wichtigsten zuerst
  4. Leistung: Ihre Gesamtnote in Worten und zwei bis drei konkrete Belege aus der Arbeit
  5. Verhalten: gegenüber Vorgesetzten, Team und Kundschaft, wieder mit Ihrer Note
  6. Schluss: Grund des Ausscheidens nur nach Absprache mit der Person, dazu Dank und gute Wünsche, wenn Sie sie aussprechen wollen

Ein Muster in Sie-Form: „Formulieren Sie aus diesem Steckbrief ein qualifiziertes Arbeitszeugnis: [STECKBRIEF]. Verwenden Sie für die Person nur das Kürzel A. Übernehmen Sie meine Bewertung, ohne sie zu verbessern oder abzuschwächen. Verwenden Sie keine Formulierungen mit verdeckter Bedeutung. Wenn Ihnen eine Angabe fehlt, schreiben Sie an diese Stelle das Wort „fehlt“, statt etwas zu ergänzen.“ Den Namen und die Daten tragen Sie erst in Ihrer eigenen Textverarbeitung ein. Welche Angaben grundsätzlich nicht in eine KI gehören, beschreibt der Beitrag Welche Daten darf ich in ChatGPT eingeben – und welche besser nicht?

Beim Arbeitszeugnis formuliert die KI, der Arbeitgeber bewertet: Die Note steht vorher im Steckbrief, jeder Satz wird gegen diese Note gelesen, und erst die eigene Unterschrift macht den Text zum Zeugnis.

Wie prüfe ich den KI-Entwurf?

Lesen Sie den Entwurf mit dem Steckbrief daneben und stellen Sie sich vier Fragen:

Welche Aufgaben eine KI grundsätzlich vorbereiten, aber nicht entscheiden sollte, beschreibt der Beitrag Welche Aufgaben darf eine KI vorbereiten, aber nicht selbst entscheiden?

Ein konstruiertes Beispiel aus einem Malerbetrieb

Das folgende Beispiel ist konstruiert und dient nur der Veranschaulichung. Der Inhaber eines Malerbetriebs mit sieben Beschäftigten soll einem Gesellen nach vier Jahren ein qualifiziertes Zeugnis schreiben. Er füllt den Steckbrief aus, gibt als Gesamtnote „gut“ vor und lässt eine KI formulieren. Beim Gegenlesen fallen ihm zwei Stellen auf: Die KI hat eine Bauleitung erwähnt, die der Geselle nie hatte, und bei der Schlussformel kennt er die Bedeutung der gewählten Wendung nicht sicher. Er streicht die Bauleitung, ersetzt die Wendung durch einen klaren Satz, prüft Daten und Bewertung gegen die Personalakte und unterschreibt erst dann. Die KI hat das Formulieren beschleunigt, die Bewertung und die Prüfung hat sie nicht ersetzt.

Grenzen und typische Fehler

Wann diese Empfehlung nicht passt

Checkliste: Bevor Sie das Zeugnis unterschreiben

Quellen

Über den Autor

Ben Kübrich berät mit LIBUCO® in Gilching inhabergeführte kleine und mittlere Betriebe aus dem Landkreis Starnberg, Fürstenfeldbruck und dem Münchner Umland beim Einsatz von KI im Arbeitsalltag. Sein Schwerpunkt liegt auf klaren Abläufen, nachvollziehbaren Prüfschritten und einem DSGVO-bewussten Umgang mit Daten. Er ist kein Rechtsanwalt.

Nächster Schritt

Wenn Sie klären möchten, wie ein Zeugnis-Steckbrief für Ihren Betrieb aussehen könnte und welche Schreibarbeiten im Personalbereich sich sinnvoll mit KI vorbereiten lassen, bringen Sie ein anonymisiertes Beispiel in ein kostenloses Kennenlerngespräch mit: 30 Minuten, per Video oder Telefon, unverbindlich.