Veröffentlicht: 20.10.2026 · Fachlich geprüft: 20.10.2026 · Autor: Ben Kübrich
Grundlage dieser Antwort: Die Aussagen zur Unterweisung neuer Beschäftigter und zum Nachweis der Vertragsbedingungen stützen sich auf belegte Primärquellen, nämlich den Wortlaut des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG), des Nachweisgesetzes (NachwG), des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG) und des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) auf gesetze-im-internet.de. Die Hinweise zum Umgang einer KI mit Fakten folgen allgemeiner Fachmethodik aus der Anleitung des KI-Anbieters Anthropic (alle am 20.10.2026 abgerufen). Das „LIBUCO®-Einarbeitungsraster“ ist eine eigene LIBUCO®-Methode, keine Norm. Das Beispiel ist konstruiert. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Direkte Antwort
Ja, eine KI kann einen Einarbeitungsplan für neue Mitarbeitende als Entwurf erstellen, wenn Sie ihr die Aufgaben der Stelle, die ersten Termine und die zuständigen Ansprechpartner als Rollen vorgeben. Der Entwurf ordnet die ersten Tage, Wochen und den ersten Monat und nennt, wer was zeigt. Wichtigste Einschränkung: Die Unterweisung zum Arbeitsschutz vor Arbeitsbeginn und den Nachweis der Vertragsbedingungen nach dem Nachweisgesetz ersetzt ein KI-Entwurf nicht; beides bleibt Pflicht des Arbeitgebers. Prüfen Sie den Entwurf deshalb selbst, bevor die neue Person ihn bekommt.
Belege für diese Antwort
- Der Arbeitgeber muss Beschäftigte während der Arbeitszeit über Sicherheit und Gesundheitsschutz unterweisen, und zwar bei der Einstellung vor Aufnahme der Tätigkeit, ausgerichtet auf ihren Arbeitsplatz oder Aufgabenbereich. → § 12 ArbSchG, gesetze-im-internet.de → geprüft am 20.10.2026
- Der Arbeitgeber muss die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederlegen, unterzeichnen und aushändigen; Name und Anschrift, Arbeitsentgelt sowie Arbeitszeit und Pausen spätestens am ersten Arbeitstag, weitere Angaben spätestens am siebten Kalendertag bzw. einen Monat nach Beginn. → § 2 Abs. 1 NachwG, gesetze-im-internet.de → geprüft am 20.10.2026
- Die Niederschrift kann unter bestimmten Bedingungen in Textform elektronisch übermittelt werden, wenn das Dokument zugänglich ist, gespeichert und ausgedruckt werden kann und der Arbeitgeber zugleich zu einem Empfangsnachweis auffordert; für Wirtschaftszweige nach § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz gilt diese Erleichterung nicht. → § 2 Abs. 1 Sätze 2 bis 6 NachwG, gesetze-im-internet.de → geprüft am 20.10.2026
- Anthropic empfiehlt, einer KI ausdrücklich zu erlauben, Unsicherheit zuzugeben, und ihre Aussagen mit Zitaten aus den gelieferten Unterlagen belegen zu lassen. → Anthropic, „Reduce hallucinations“ → geprüft am 20.10.2026
Für wen gilt das? Und für wen nicht?
Die Antwort richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe, etwa Werkstätten, Praxen, Läden oder Büros in Gilching, im Landkreis Starnberg oder in Fürstenfeldbruck, die nur wenige Male im Jahr jemanden einstellen und deshalb keinen festen Einarbeitungsablauf haben. Sie gilt nicht für die Frage, was im Arbeitsvertrag stehen muss oder ob ein Tarifvertrag Vorgaben macht; das klären Sie mit Ihrem Verband, Ihrer Kammer oder Ihrer Rechtsberatung. Sie gilt auch nicht für die Ausbildung von Auszubildenden, für die das Berufsbildungsgesetz eigene Vorgaben macht (siehe unten), und nicht für Betriebe, die bereits eine Personalsoftware mit fertigem Einarbeitungsablauf nutzen.
Was kann eine KI beim Einarbeitungsplan leisten?
Sie kann aus Ihren Stichpunkten einen geordneten Plan machen: was am ersten Tag passiert, was in der ersten Woche gezeigt wird und was nach einem Monat sitzen soll. Sie kann vorhandene Unterlagen, etwa eine Arbeitsanweisung oder eine Liste der Werkzeuge und Programme, in Lernschritte aufteilen und zu jedem Schritt eine Frage zum Gegenprüfen vorschlagen. Wie Sie solche Arbeitsanweisungen mit KI vorbereiten, beschreibt der Beitrag Wie erstelle ich mit KI Arbeitsanweisungen für meinen Betrieb?
Was sie nicht leisten kann: wissen, welche Gefährdungen an Ihrem Arbeitsplatz bestehen, welche Absprachen im Vertrag stehen oder wer im Team wann Zeit hat. Fehlt ihr eine Angabe, kann sie eine plausible Lücke füllen. Anthropic rät deshalb, der KI zu erlauben, „Ich weiß es nicht“ zu sagen, und Aussagen an die gelieferten Unterlagen zu binden (Anthropic, Reduce hallucinations). Geben Sie der KI außerdem keine Personaldaten der neuen Person; welche Angaben nicht in einen KI-Chat gehören, beschreibt der Beitrag Welche Daten darf ich in ChatGPT eingeben – und welche besser nicht?
Eine KI kann die Einarbeitung ordnen, aber nicht verantworten: Die Unterweisung vor Arbeitsbeginn und der Nachweis der Vertragsbedingungen bleiben Aufgaben des Arbeitgebers.
Das LIBUCO®-Einarbeitungsraster: erster Tag, erste Woche, erster Monat
Als eigene LIBUCO®-Methode empfehlen wir, den Plan in drei Stufen zu gliedern und jede Stufe mit einer Pflichtzeile zu beginnen, die nicht die KI, sondern Sie selbst ausfüllen. Die drei Stufen orientieren sich an den Zeitpunkten, die das Nachweisgesetz für die Vertragsangaben nennt (§ 2 Abs. 1 NachwG); das ist eine Merkhilfe, keine gesetzliche Vorgabe für die Einarbeitung selbst.
- Erster Tag – Pflichtzeile: Unterweisung zu Sicherheit und Gesundheitsschutz für diesen Arbeitsplatz vor Beginn der Tätigkeit (§ 12 ArbSchG); Vertragsangaben, die am ersten Tag vorliegen müssen. Danach: Rundgang, Ansprechpartner, Zugänge, erste einfache Aufgabe.
- Erste Woche – Pflichtzeile: restliche Vertragsangaben, die bis zum siebten Kalendertag vorliegen müssen. Danach: die drei wichtigsten Abläufe der Stelle, jeweils einmal zeigen, einmal gemeinsam, einmal allein.
- Erster Monat – Pflichtzeile: übrige Vertragsangaben bis spätestens einen Monat nach Beginn. Danach: ein kurzes Gespräch, was sitzt und was fehlt, und die Entscheidung, welche Aufgaben die neue Person ab jetzt allein übernimmt.
Die Pflichtzeilen stehen bewusst vorne, damit sie im Alltag nicht hinter dem Rundgang verschwinden. Ob Ihre Vertragsunterlagen vollständig sind, prüft die KI nicht; das bleibt bei Ihnen oder Ihrer Rechtsberatung.
Wie gehen Sie Schritt für Schritt vor?
- Stichpunkte sammeln: Aufgaben der Stelle, Werkzeuge und Programme, vorhandene Arbeitsanweisungen, Ansprechpartner als Rollen (etwa „Meister“, „Büro“).
- Raster vorgeben: die drei Stufen mit den Pflichtzeilen, die Sie selbst eintragen.
- Entwurf erstellen lassen: mit einer klaren Anweisung und der Erlaubnis, Lücken zu benennen.
- Lücken schließen: jede Stelle, an der die KI „fehlt“ schreibt, selbst ergänzen oder streichen.
- Mit dem Team abgleichen: Wer zeigt was, und passt der Zeitplan zu Urlaub und Auftragslage?
- Freigeben und aufheben: Den geprüften Plan beim nächsten Neuzugang wieder verwenden und anpassen.
Ein Muster-Prompt, ohne Namen und ohne Personaldaten:
„Erstellen Sie einen Einarbeitungsplan für eine neue Fachkraft in einem kleinen Betrieb, gegliedert in erster Tag, erste Woche, erster Monat. Verwenden Sie nur die folgenden Stichpunkte und Rollen. Lassen Sie die Zeilen ‚Unterweisung Arbeitsschutz‘ und ‚Vertragsangaben‘ leer, diese trage ich selbst ein. Erfinden Sie keine Abläufe, Termine oder Regeln. Wenn eine Angabe fehlt, schreiben Sie ‚fehlt – bitte ergänzen‘. [Stichpunkte]“
Wie sieht das in einer Werkstatt aus?
Konstruiertes Beispiel, kein realer Kundenfall: Eine Kfz-Werkstatt mit sechs Leuten stellt einen Mechatroniker ein. Die Inhaberin schreibt zwanzig Stichpunkte auf, darunter Hebebühne, Diagnosegerät, Auftragsprogramm, Ansprechpartner „Meister“ und „Büro“. Die KI ordnet die Stichpunkte in das Raster und markiert drei Stellen mit „fehlt“: wer die Unterweisung an der Hebebühne übernimmt, wann die Schlüssel übergeben werden und wer die Zugänge zum Auftragsprogramm anlegt. Die Inhaberin trägt die Pflichtzeilen selbst ein, klärt die drei Lücken mit dem Meister und gibt den Plan frei. Offen bleibt in diesem Beispiel, ob der Zeitplan in einer vollen Woche hält; das zeigt erst der Alltag.
Grenzen und typische Fehler
- Die KI-Fassung wird als fertige Unterweisung behandelt, obwohl § 12 ArbSchG eine auf den Arbeitsplatz ausgerichtete Unterweisung verlangt.
- Name, Anschrift, Gehalt oder Gesundheitsangaben der neuen Person landen im KI-Chat.
- Die KI füllt Lücken mit erfundenen Abläufen, weil sie nicht ausdrücklich „fehlt“ schreiben durfte.
- Der Plan ist zu voll: Jede Woche steht so viel darin, dass ihn im Alltag niemand einhält.
- Niemand ist für den Plan zuständig; die neue Person arbeitet ihn allein ab.
- Der Einarbeitungsplan wird mit dem Nachweis der Vertragsbedingungen verwechselt; das eine ersetzt das andere nicht.
- Der Plan wird nach dem ersten Einsatz nicht angepasst und beim nächsten Neuzugang ungeprüft wiederverwendet.
Wann diese Empfehlung nicht passt
- Wenn Sie Auszubildende einstellen, dann richtet sich der Ablauf nach der Ausbildungsordnung des Berufs und der sachlichen und zeitlichen Gliederung, die Sie nach § 11 BBiG im Ausbildungsvertrag festhalten; Ihre Kammer berät dazu, und die KI kann höchstens beim Formulieren helfen.
- Wenn an dem Arbeitsplatz besondere Gefährdungen bestehen, etwa Gefahrstoffe oder Maschinen mit eigener Betriebsanweisung, dann bauen Sie die Unterweisung auf Ihrer Gefährdungsbeurteilung und den vorhandenen Betriebsanweisungen auf und ziehen Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit beratend hinzu (§ 6 ASiG); ein KI-Entwurf hilft dort höchstens beim Formulieren. Die Pflicht zur Unterweisung bleibt beim Arbeitgeber (§ 12 ArbSchG).
- Wenn die Stelle nur wenige, leicht zu zeigende Abläufe hat, dann genügt eine handgeschriebene Liste mit den beiden Pflichtzeilen; ein KI-Entwurf bringt dann wenig.
Checkliste: Bevor die neue Person anfängt
- [ ] Stichpunkte zur Stelle gesammelt, nur Rollen statt Namen
- [ ] Keine Personaldaten der neuen Person im KI-Chat
- [ ] KI ausdrücklich erlaubt, Lücken mit „fehlt“ zu markieren
- [ ] Unterweisung zum Arbeitsschutz vor Arbeitsbeginn geplant und zuständige Person benannt
- [ ] Vertragsangaben für den ersten Tag vorbereitet
- [ ] Termine für die Angaben bis zum siebten Kalendertag und bis einen Monat nach Beginn notiert
- [ ] Jede „fehlt“-Stelle selbst ergänzt oder gestrichen
- [ ] Plan mit dem Team abgestimmt
- [ ] Gespräch nach dem ersten Monat im Kalender
- [ ] Plan freigegeben und für den nächsten Neuzugang abgelegt
Muss die Unterweisung in einer anderen Sprache erfolgen, hilft der Beitrag Darf ich Sicherheitsunterweisungen und Arbeitsanweisungen mit KI übersetzen?
Quellen
- § 12 ArbSchG – Unterweisung, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 20.10.2026
- § 2 NachwG – Nachweispflicht, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 20.10.2026
- § 6 ASiG – Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 20.10.2026
- § 11 BBiG – Vertragsabfassung, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 20.10.2026
- Anthropic, „Reduce hallucinations“, Claude Platform Docs, abgerufen am 20.10.2026
Über den Autor
Ben Kübrich berät mit LIBUCO® in Gilching inhabergeführte kleine und mittlere Betriebe aus dem Landkreis Starnberg, Fürstenfeldbruck und dem Münchner Umland beim Einsatz von KI im Arbeitsalltag. Sein Schwerpunkt liegt auf klaren Abläufen, nachvollziehbaren Prüfschritten und einem DSGVO-bewussten Umgang mit Daten. Er ist kein Rechtsanwalt.
Nächster Schritt
Wenn Sie vor der nächsten Einstellung klären möchten, wie ein Einarbeitungsraster für Ihren Betrieb aussehen könnte, bringen Sie Ihre Stichpunkte zur Stelle ohne Namen in ein kostenloses Kennenlerngespräch mit: 30 Minuten, per Video oder Telefon, unverbindlich.